Ihr Kind kommt ständig krank aus dem Kindergarten oder der Schule? Das können Sie tun.
Acht bis zwölf Atemwegsinfekte im Jahr können bei kleinen Kindern normal sein. Entscheidend ist, wie schwer sie verlaufen und wie gut sich das Kind dazwischen erholt.
Kaum ist der Schnupfen abgeklungen, beginnt der nächste Husten – und nach wenigen beschwerdefreien Tagen läuft die Nase wieder. Gerade Eltern von Krippen- und Kita-Kindern fragen sich dann verständlicherweise: Ist mein Kind ungewöhnlich oft krank? Oder steckt eine Abwehrschwäche dahinter? Die beruhigende Nachricht: Häufige Atemwegsinfekte gehören im frühen Kindesalter oft zur normalen Entwicklung. Entscheidend ist nicht allein, wie oft ein Kind erkältet ist. Wichtiger sind Verlauf, Schwere der Beschwerden, Erholung zwischen den Infekten und die altersgerechte Entwicklung des Kindes. Dieser Beitrag hilft Ihnen, typische Infektserien besser einzuordnen – und Warnzeichen zu erkennen, bei denen eine kinderärztliche Abklärung wichtig ist.
Gut beraten bei Kinderinfekten
Welches Nasenspray passt zum Alter Ihres Kindes? Wann ist ein Fiebermittel sinnvoll – und wie wird es korrekt dosiert? Dürfen Hustensäfte, Honig oder Erkältungssalben eingesetzt werden?
Bei Kindern kommt es bei jedem Arzneimittel besonders auf Alter, Körpergewicht, Wirkstoff, Konzentration, Darreichungsform und mögliche Vorerkrankungen an. Lassen Sie sich deshalb in Ihrer Apotheke beraten. Wir helfen Ihnen bei der Auswahl altersgerechter rezeptfreier Maßnahmen und erklären, wann ein Arztbesuch ratsam ist.
Wie viele Erkältungen sind normal?
Bei Erwachsenen gelten zwei oder drei Erkältungen pro Jahr schon als lästig. Bei kleinen Kindern sieht das anders aus: Bis zum Schulalter können acht bis zwölf Atemwegsinfekte im Jahr durchaus im normalen Bereich liegen. Besonders in Krippe, Kindergarten oder Schule kommen Kinder mit vielen verschiedenen Viren in Kontakt. Ihr Immunsystem lernt diese Erreger erst nach und nach kennen. (Quelle: Kindergesundheit-info)
Eine Erkältung ist dabei nicht automatisch nach wenigen Tagen vorbei. Der akute Infekt klingt häufig innerhalb von etwa sieben bis zehn Tagen ab. Husten kann jedoch noch länger bestehen bleiben und bei Kindern auch bis zu drei Wochen andauern. Beginnt in dieser Zeit bereits der nächste virale Infekt, entsteht leicht der Eindruck, das Kind sei den ganzen Herbst oder Winter durchgehend erkältet.
Das bedeutet: Viele Infekte allein sind noch kein Beweis für eine „schwache Abwehr“. Entscheidend ist, ob das Kind die Erkrankungen gut übersteht und zwischen den Infekten wieder zu seinem normalen Alltag zurückfindet.
Der Verlauf zählt mehr als die Zahl
Viele leichte Infekte sind im Kindesalter meist weniger besorgniserregend als wenige, aber sehr schwere oder ungewöhnlich langwierige Erkrankungen. Eher für die normale Infektanfälligkeit spricht, wenn Ihr Kind:
- überwiegend milde Beschwerden wie Schnupfen, Husten oder leichtes Fieber hat
- nach einem Infekt wieder munter spielt, trinkt, isst und belastbar ist
- sich altersgerecht entwickelt und gut zunimmt
- keine ungewöhnlich schweren oder wiederholten bakteriellen Infektionen durchmacht
- nicht wiederholt wegen Lungenentzündungen oder anderer schwerer Infekte behandelt werden muss
Kinderärztlich abgeklärt werden sollte eine auffällige Infektanfälligkeit hingegen bei ungewöhnlich schweren, sehr häufigen oder langwierigen Infektionen. Auch wiederholte Lungenentzündungen, eine schlechte Gewichtszunahme, chronischer Durchfall, auffällige Pilzinfektionen oder bleibende Schäden nach Infekten gehören ärztlich beurteilt. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Immunschwäche vorliegt. Angeborene Immundefekte sind selten – aber mögliche Warnzeichen sollten ernst genommen werden.
Erkältung, Grippe oder andere Atemwegsinfektion?
Im Alltag wird vieles als „Erkältung“ bezeichnet. Medizinisch handelt es sich meist um einen akuten viralen Atemwegsinfekt. Typisch sind hier Symptome wie laufende oder verstopfte Nase, Niesen, Husten, Halskratzen oder Halsschmerzen, manchmal erhöhte Temperatur oder Fieber, Müdigkeit und weniger Appetit.
Eine echte Grippe, die Influenza, beginnt dagegen oft plötzlich. Kinder können dann deutlich kränker wirken, höher fiebern und unter ausgeprägtem Krankheitsgefühl, Kopf- oder Gliederschmerzen leiden. Auch RSV, COVID-19, Keuchhusten oder andere Infektionen können zunächst wie eine harmlose Erkältung wirken.
Eltern müssen den Erreger nicht selbst bestimmen. Wichtiger ist der Gesamtzustand des Kindes: Trinkt es ausreichend? Ist es ansprechbar? Atmet es ruhig? Wird es im Verlauf allmählich besser – oder deutlich schlechter?
Was bei einer Erkältung hilft
Die meisten Erkältungen werden durch Viren ausgelöst und heilen von selbst ab. Medikamente sind nicht immer nötig. Sie können Beschwerden lindern, verkürzen aber die Erkrankung meist nicht wesentlich. Antibiotika helfen bei einer unkomplizierten Erkältung nicht, weil sie gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren wirken. Ob eine bakterielle Komplikation vorliegt und ein Antibiotikum erforderlich ist, entscheidet die ärztliche Praxis. (Quelle: Gesund.bund.de)
Im Vordergrund stehen einfache, kindgerechte Maßnahmen:
- Bieten Sie regelmäßig etwas zu trinken an – insbesondere bei Fieber, schneller Atmung oder wenn das Kind wenig essen mag.
- Gönnen Sie Ihrem Kind Ruhe, ohne es bei gutem Befinden strikt im Bett halten zu müssen.
- Kochsalzlösung kann bei verstopfter Nase helfen und ist für viele Altersgruppen eine gut verträgliche Möglichkeit.
- Abschwellende Nasentropfen oder -sprays dürfen nur in der altersgerechten Dosierung und über einen kurzen Zeitraum angewendet werden. Lassen Sie sich zur passenden Wirkstärke beraten.
- Bei Husten kann Honig Kindern ab einem Jahr abends vor dem Schlafengehen möglicherweise Erleichterung verschaffen. Säuglinge im ersten Lebensjahr dürfen keinen Honig erhalten.
Bei Fieber ist nicht nur die gemessene Temperatur entscheidend, sondern vor allem das Befinden. Wirkt ein Kind deutlich beeinträchtigt, hat Schmerzen oder trinkt schlecht, können fiebersenkende und schmerzlindernde Arzneimittel infrage kommen. Paracetamol oder Ibuprofen sind nicht für jedes Kind gleichermaßen geeignet. Maßgeblich sind unter anderem Alter, Gewicht, Begleiterkrankungen, Flüssigkeitsaufnahme und weitere Arzneimittel.
Geben Sie Fiebermittel nicht nach Gefühl und rechnen Sie eine Erwachsenendosis niemals selbst herunter. Die Dosierung muss anhand des Körpergewichts und der Konzentration des jeweiligen Präparats bestimmt werden. Acetylsalicylsäure (kurz ASS) sollte Kindern und Jugendlichen bei fieberhaften Erkrankungen nicht gegeben werden, da ein seltenes, aber gefährliches Reye-Syndrom auftreten kann.
Vorsicht bei Hustensäften und Erkältungsprodukten
Bei Kindern gilt besonders: „Pflanzlich“ oder „natürlich“ bedeutet nicht automatisch geeignet. Viele Kombinationspräparate enthalten mehrere Wirkstoffe und sind für Kinder nicht sinnvoll oder nicht zugelassen. Auch Hustenmittel sollten nicht pauschal eingesetzt werden, sondern abhängig von Alter, Hustenart, Begleitsymptomen und zugelassenem Anwendungsgebiet ausgewählt werden.
Besondere Vorsicht ist bei ätherischen Ölen geboten. Produkte mit Kampfer, Menthol oder Eukalyptus können bei Säuglingen und Kleinkindern problematisch sein. Für Säuglinge und Kinder unter drei Jahren sollten Mittel mit ätherischen Ölen nicht angewendet werden: Beim Einatmen können sie unter anderem einen Stimmritzenkrampf mit akuter Atemnot auslösen.
Auch Duftlampen, konzentrierte Öle oder Erkältungseinreibungen gehören deshalb nicht ungeprüft in die Nähe kleiner Kinder. Fragen Sie im Zweifel vor der Anwendung in Ihrer Arztpraxis oder Ihrer staggenborg - apotheke im Famila nach.
Wann muss ein Kind zum Arzt?
Bei häufigen, milden Erkältungen ist ein Arztbesuch nicht jedes Mal notwendig. Es gibt aber klare Warnzeichen, bei denen Sie nicht abwarten sollten:
- Ihr Kind ist jünger als drei Monate und hustet oder hat Fieber.
- Bei einem jungen Säugling liegt die Temperatur bei 38,0 °C oder höher.
- Ihr Kind atmet auffällig schnell, angestrengt oder bekommt schlecht Luft.
- Lippen oder Gesicht wirken bläulich, das Kind ist schwer weckbar oder auffallend teilnahmslos.
- Ihr Kind verweigert Trinken, erbricht wiederholt oder zeigt Zeichen eines Flüssigkeitsmangels.
- Das Fieber hält länger als drei Tage an, steigt plötzlich deutlich oder das Kind wird insgesamt kränker.
- Husten oder Schnupfen bleiben länger als etwa eine Woche unverändert bestehen, verschlimmern sich oder es kommt plötzlich hohes Fieber hinzu.
- Ihr Kind hustet so stark, dass es erbricht, nicht trinken kann oder starke Atembeschwerden auftreten.
- Es treten Ohrenschmerzen, starke Schmerzen, ein bellender Husten oder ein deutlich schlechter Allgemeinzustand auf.
Bei ausgeprägter Atemnot, blauen Lippen oder Hautverfärbungen, Bewusstseinsstörungen oder einem anderen lebensbedrohlichen Eindruck rufen Sie sofort den Notruf 112. Für dringliche Beschwerden außerhalb der Praxiszeiten, die nicht lebensbedrohlich sind, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117 erreichbar.
Kann man Erkältungen vorbeugen?
Atemwegsinfekte lassen sich bei kleinen Kindern nicht vollständig verhindern. Sie gehören in gewissem Umfang zur Entwicklung des Immunsystems und zum Alltag in Gemeinschaftseinrichtungen. Dennoch kann der Alltag das Risiko senken und die Gesundheit unterstützen.
Regelmäßiges und gründliches Händewaschen, Husten und Niesen in die Armbeuge sowie regelmäßiges Lüften helfen, die Weitergabe von Erregern zu reduzieren. Ausreichend Schlaf, Bewegung, frische Luft und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die normale Funktion des Immunsystems. Besonders wichtig ist eine rauchfreie Umgebung: Passivrauch belastet die Atemwege und erhöht bei Kindern unter anderem das Risiko für Husten, Bronchitis, Lungenentzündung und Mittelohrentzündungen.
Zurückhaltung ist bei Produkten angebracht, die pauschal versprechen, das Immunsystem zu „stärken“. Für ansonsten gesunde Kinder sind Nahrungsergänzungsmittel nicht automatisch sinnvoll. Vitamin-C-Präparate verhindern Erkältungen nicht zuverlässig; werden sie erst bei Beginn einer Erkältung eingenommen, ist kein Effekt zu erwarten. Vitamin D schützt nach der verfügbaren Studienlage nicht generell vor Erkältungen, kann aber bei einem festgestellten Mangel medizinisch relevant sein.
Ein altersgerechter Impfschutz bleibt dennoch wichtig: Er verhindert nicht alle Erkältungen, kann aber vor bestimmten Infektionskrankheiten und schweren Verläufen schützen.
Erkältung bei Kindern kurz & knapp
Wenn Kinder scheinbar ständig erkältet sind, ist das für Familien anstrengend – besonders während der Kita- und Wintersaison. Häufige Atemwegsinfekte sind jedoch nicht automatisch ein Zeichen für eine Abwehrschwäche. Bis zum Schulalter können acht bis zwölf leichte Infekte pro Jahr durchaus normal sein.
Entscheidend ist nicht, wie oft die Nase läuft, sondern wie es Ihrem Kind insgesamt geht: Erholt es sich zwischen den Infekten? Ist es dann wieder aktiv und altersgerecht entwickelt? Verlaufen die Erkrankungen überwiegend mild und ohne Komplikationen? Dann spricht vieles für die typische Infektanfälligkeit im Kindesalter.
Achten Sie zugleich auf Warnzeichen wie Atemnot, deutliche Teilnahmslosigkeit, Trinkverweigerung, anhaltendes Fieber, eine Verschlechterung des Zustands oder ungewöhnlich schwere und langwierige Infekte. In solchen Fällen ist eine kinderärztliche Abklärung wichtig.
Bei der Selbstmedikation gilt: Weniger ist oft mehr – aber richtig ausgewählt und korrekt dosiert. Ihre staggenborg - apotheke im Famila berät Sie gerne zu altersgerechten Maßnahmen bei Schnupfen, Husten und Fieber sowie zur sicheren Anwendung von Kinderarzneimitteln.
FAQ: Häufige Fragen zu Erkältung bei Kindern
Kann eine Erkältung direkt in die nächste übergehen?
Das kann so wirken. Ein Infekt klingt häufig nach sieben bis zehn Tagen ab, während Husten bei Kindern bis zu drei Wochen bestehen kann. Kommt in dieser Zeit ein weiterer Virusinfekt hinzu, überlappen die Beschwerden.
Ist gelber oder grüner Schnupfen ein Zeichen für Antibiotika?
Nein. Die Farbe des Nasensekrets allein beweist keine bakterielle Infektion und ist kein Grund für Antibiotika. Entscheidend sind der Gesamtzustand, der Verlauf und mögliche zusätzliche Beschwerden. Ob eine bakterielle Erkrankung vorliegt, beurteilt die ärztliche Praxis.
Darf ein Kind mit leichter Erkältung in die Kita?
Das hängt vom Allgemeinzustand, den Regeln der Einrichtung und der vermuteten Erkrankung ab. Bei Fieber, deutlicher Beeinträchtigung oder starkem Husten sollte das Kind zu Hause bleiben. Bei ansteckenden Erkrankungen wie Keuchhusten, Masern oder Windpocken gelten besondere Vorgaben; informieren Sie die Einrichtung.
Wann ist Husten bei Kindern ein Notfall?
Sofortige Hilfe ist nötig, wenn Atemnot, schnelle oder angestrengte Atmung, blaue Lippen, starke Teilnahmslosigkeit oder Trinkverweigerung auftreten. Bei einem lebensbedrohlichen Eindruck gilt: Notruf 112.
Darf mein Kind bei einer leichten Erkältung geimpft werden?
Ein leichter Infekt ohne deutliches Krankheitsgefühl oder hohes Fieber ist nicht grundsätzlich ein Grund, eine Impfung zu verschieben. Die Entscheidung trifft die impfende Ärztin oder der impfende Arzt nach Untersuchung und Gespräch.
Dosierung von Medikamenten
Bei Kinderarzneimitteln niemals eigenständig die Erwachsenendosis „herunterrechnen“. Alter, Körpergewicht, Wirkstoffkonzentration und Darreichungsform entscheiden darüber, ob ein Mittel geeignet ist und welche Menge korrekt wäre. Das gilt besonders für Fiebermittel, Nasentropfen und Hustenpräparate. Bringen Sie bei Unsicherheit die Packung mit in die Apotheke und nennen Sie Alter sowie aktuelles Gewicht Ihres Kindes. So kann die Anwendung sicher geprüft werden.
Verfasst und geprüft von der APOVENA Fachredaktion in Zusammenarbeit mit der staggenborg - apotheke im Famila in Husum . Stand 10/2026. Dieser Artikel ersetzt keine Beratung in einer Arztpraxis oder Apotheke.
Für eine persönliche Beratung kommen Sie einfach bei uns in der staggenborg - apotheke im Famila in Husum vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch und helfen Ihnen gerne weiter.
Bernhard Ebbert,